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Gothic 331.08.2007
Seit der Erscheinung von Gothic 3 Ende 2006 sind bereits vier Patches dazu erschienen, der erste davon gleich am Erscheinungstag. Die Patches sollten die weithin bekannten Bugs und Fehler des Spiels ausmerzen. Die Gothic Reihe hat zahlreiche Anhänger und viele erhofften sich mit Gothic 3 das ultimative Rollenspiel-Erlebnis. Die beiden Vorgänger haben viele Auszeichnungen erhalten und sind bisher unumstritten die besten Rollenspiele, welche jemals in Deutschland entwickelt wurden. Schnell haben sich die Entwickler von Piranha Bytes einen Namen über die europäischen Grenzen hinaus mit Ihren beiden Rollenspielen gemacht und entsprechend hoch waren die Erwartungen für den dritten Teil.
Wo bin ich?Zu Beginn des Spieles erwartet den Spieler ein kurzes Einführungsvideo, in dem man den namenlosen Helden und seine Kameraden auf einem Schiff in Richtung Myrtana segeln sieht. Nachdem dieser bereits einige Abenteuer bestanden hat und knapp dem Tode entronnen ist, wobei auch der aus den Vorgängern bekannte Hexer Xardas seine Finger im Spiel hatte, soll es nun endlich nach Hause in die ersehnte Heimat gehen. Doch den Helden erwartet kein warmer Kamin, sondern ein brodelnder Hexenkessel. Die Orks sind in seine Heimat eingefallen und haben den König gestürzt und die Menschen versklavt. Leider erfährt man zu Beginn nicht viel mehr und kommt sich doch etwas verloren vor, wären da nicht die alten Kumpels und der serientypisch bombastische Sound.
Myrtana ist und bleibt lange ein unbekanntes Territorium und es erfordert einiges an Zeit und Geduld bis die Informationsbrocken zur Spielewelt und den dort herrschenden Zuständen durchsickern. Soviel steht schon zu Beginn fest: der König ist verschollen, die Orks haben die Macht an sich gerissen und der Held ist zu grossen Taten bestimmt. Na dann, auf zum Gothic-Geschichte schreiben! Ein langer WegHat man Oblivion gespielt und kennt die Vorgänger von Gothic 3 nicht, mutet das Spiel wie eine Light-Version von Oblivion an. Dies schadet dem Spiel eigentlich nicht, denn die Flut an Möglichkeiten und zu erlernenden Fertigkeiten in Oblivion mag manchen überfordern. Man kann in Gothic 3 wie gewohnt Fertigkeiten erlernen, hochleveln, Pflanzen sammeln, findet allerlei Zauber-Schriftrollen und Schlagwerkzeuge, und auch mal einen Hirsch zum erlegen, damit es zu Abend einen saftigen Braten gibt. Steigt der Charakter eine Stufe auf, erhält er 10 Lernpunkte die er für das Erlernen von Fertigkeiten oder das Steigern von Attributen verwenden kann. Dies muss über einen entsprechenden Lehrer gemacht werden, welcher einem für einen bestimmten Betrag weitere Attributs-Punkte verleiht oder Talente beibringt. Geld spielt dabei die entscheidende Rolle und auch die eigenen Erfahrungspunkte, denn nur wer deren genug hat, kann bestimmte Fertigkeiten auch erlernen.
Zauber sind fürs erste nur in Schriftrollen-Form vorhanden, denn man erfährt, dass die Runenmagie abhanden gekommen ist, welche freies Zaubern ermöglichte. Im Verlauf des Abenteuers kann der Spieler jedoch verschiedenste Formen der Magie erlernen. Ob Kämpfer, Magier, Schurke oder eine Mischung aus Allem, der Spieler entschiedet selbst, in welchen Gebieten er sich spezialisieren möchte. Unabhängig davon, ob man sämtliche Gegner mit dem Schwert oder der Axt erlegt, kann man die erworbenen Punkte auch zur Aufwertung seiner Schützenfertigkeiten mit Pfeil und Bogen verwenden. Es braucht einige Zeit, seinen Charakter entsprechend anzupassen und aufzuwerten, und des öfteren trüben Fehler im Spiel, Ungereimtheiten oder sich wiederholende eintönige Kämpfe den Weg zum erwünschten Charakter. Auf in den KrampfEiner der schwächsten Punkte von Gothic 3 ist das Kampfsystem, beziehungsweise der Nahkampf an sich. Dieser wurde als Neuerung zu den Vorgängern nur auf die Maus beschränkt und entsprechende Kombinationen mit der linken und rechten Taste haben verschiedene Manöver zur Folge. Diese Manöver kommen jedoch nicht allzu oft zum Zug, denn schnell merkt man, dass durch simples Dauerklicken der linken Maustaste fast jeder Kampf entschieden werden kann. Wer zuerst trifft, hat meistens die Oberhand und reiht einfach einen Schlag an den anderen, wobei der zuerst Getroffene selten die Chance zur Parade oder zum Entkommen hat. Überhaupt wirkt das Kampfsystem in seiner Gesamtheit frustrierend, auch nach 4 Patches seit dem Release. Die Feinde stellen sich oft dumm an und man kann mit Pfeil und Bogen von einer bestimmten Position fast jeden Feind mühelos erlegen, da dieser den Weg zum Helden nicht findet.
Die Bewegungen des Helden mögen etwas steif anmuten, sind jedoch in Ordnung. Was wirklich stört ist die Eintönigkeit, die das Kämpfen nach einer gewissen Zeit mit sich bringt. Gegner mit weit höheren Levels zeichnen sich nicht durch geschickteres Verhalten oder bessere Paraden aus, sondern meist nur dadurch, dass sie bessere Waffen führen und einige Schläge mehr brauchen bis sie das Zeitliche segnen. Vor allem Monster neigen dazu, stets in einer Rückwärtsbewegung zu sein, solange man sein Schwert schwingt und setzten einem aggressiv nach sobald man sich selbst im Rückzug befindet. Es fällt ausserdem auf, dass stärkere Gegner angriffslustiger sind als Schwache. Der erste Treffer entscheidet meistens den Kampf und wer mit seinem Schwert von einer erhöhten Position kämpft, ist oft im Nachteil. Eingeschränkte WeitenGothic 3 verspricht einiges und hält diese Versprechen in gewissem Masse auch. Der Spieler kann sich frei bewegen, der Spielverlauf ist nicht-linear und die Quests und Unterhaltungen sind gut. Die über dem Land lastende Bedrohung ist ersichtlich, jedoch nicht wirklich spürbar. Sämtliche Bewohner Myrtanas wirken etwas lethargisch und teilnahmslos und hört man zur Abwechslung mal einer Unterhaltung zweier NPC's zu, erkennt man darin wenig Sinn oder Inhalt. Die harsche Art gewisser Gesprächspartner gefällt, wenn sie sich über irgendwelche Dinge auslassen oder etwas klarstellen, die Gestik und Kameraführung hätten aber verfeinert werden können. Der Verlauf eines Gsprächs ist entscheidend für die Haltung des NPC's gegenüber dem Spieler. Beleidigt man seinen Gesprächspartner, will dieser oft nichts mehr mit dem Spieler zu tun haben. Tut man Ihm einen Gefallen und provoziert Ihn nicht, ist er dem Helden wohlgesonnen.
Die Weiten Myrtanas sind schön in Szene gesetzt, wenn auch die Sichtweite stark eingeschränkt ist. Vor allem die verschiedenen Dörfer und Städte sehen gut aus und sind mit passenden Gegenständen eingerichtet, was eine passende Atmosphäre schafft. Geht man bei Tag auf die Jagd, springt das Wild sobald man in seine Nähe kommt davon, dank der erschienen Patches, hat sich auch das anfänglich unrealistische Verhalten bei Nacht verbessert. Erbeutetes Fleisch kann an Feuern gebraten werden, um die Heilkraft der Beute zu verstärken und sämtliche Gegenstände, die man findet oder erwirbt können verkauft und bis ins unermessliche in eurem Inventar gelagert werden. Eine Begrenzung gibt es hierbei nicht und Ihr könnt unzählige Gegenstände zur selben Zeit tragen. Gepflückte Pflanzen, können mit dem dazugehörigen alchemistischen Wissen in Tränke umgewandelt werden und hat man das nötige Schmiede- oder Handels-Talent können Waffen, Materialien wie Erz oder Werkzeuge entsprechend behandelt oder teuer verkauft werden. Der HakenGothic 3 hätte ein gutes Spiel werden können, wären da nicht das unausgereifte Kampfsystem, die dummen Gegner, die vielen Clippingfehler, die veraltete Technik und einige weitere Steine im Weg. Schiesst man beispielsweise einen Pfeil zwischen zwei Ästen eines umgefallenen Baumes hindurch, bleibt dieser in der Luft dazwischen stecken. Das mag den anvisierten Gegner freuen, den Spieler aber bestimmt nicht. Immerhin lassen sich die Pfeile wieder aus der Luft pflücken. Pfeile die auf Feinde abgefeuert wurden, können hingegen nicht wieder eingesammelt werden. Gras das durch Kisten und Steine wächst, gefallene Gegner die teilweise in Objekten versinken, aus Hauswänden ragen oder durch die man selbst getrost hindurch laufen kann, gehören nicht in ein Spiel, das bereits viermal überarbeitet wurde. Immer wenn Spass am Spiel aufzukommen scheint, kommt einem dieser alsbald durch irgendwelche Macken wieder abhanden. Eigentlich schade, denn die Voraussetzungen wären gut gewesen.
So kommt man dann auch irgendwann an einen Punkt, an dem das Spiel, zumindest vom Aspekt des Gameplays gesehen, nicht mehr länger zu motivieren vermag. Da hilft auch ein eben erworbenes Flammenschwert oder ein Verwandlungszauber nicht viel weiter. Allein die Story und der Wissensdurst um die Hintergünde der Spielewelt und das weitere Geschehen vermögen einem zum Weiterspielen animieren, auch wenn dies eine lange Gratwanderung ist, auf der das Spiel nicht so einfach und ohne weiteres etwas von sich preisgibt. EB
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