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Dark Sector

08.04.2008
Monster, Mutanten, Munition. Eine Formel, die man als „bewährt“, aber auch ein wenig ausgelutscht bezeichnen könnte. Die Spiele, in denen ein Virus aus der unbedarften Bevölkerung blutrünstige Bestien macht und die man anschließend als Angehöriger irgendeiner Spezialeinheit vom Erdenrund fegen muss, sind Legion. Dark Sector ist ein aktueller Genrevertreter, der just von Digital Extremes in die massiv überfüllte Schublade gequetscht wurde. Der Kollege Gears of War, der direkt nebenan liegt, schaut allerdings etwas grimmig drein, denn der Neuankömmling war an seinem Kleiderschrank und hat sein komplettes Outfit mitgehen lassen.

 

Dark Sector sieht Gears of War durchaus ähnliche und spielt sich auch so. Auch Resident Evil 4 haben die Programmierer intensiv in der Mittagspause begutachtet und fanden es wohl nachahmenswert – sogar die herumliegenden Kisten, die mit roher Gewalt aufgebrochen werden müssen, um ein paar Items einzusammeln, finden sich in Dark Sector. Bei soviel Eklektizismus steht natürlich die Frage im Raum, was das Game von Digital Extremes an Individualität zu bieten hat, um sich von den Vorbildern zu lösen. Die Story über einen ziemlich üblen Virus in einer russischen Stadt (nein, nicht die Vogelgrippe) kann es wohl kaum sein. Die klingt nämlich irgendwie nach Resident Evil 4, nur wurde aus dem ländlich spanischen Setting ein osteuropäisch urbanes. Die generische Story lassen wir also lieber unberührt, sie ist nur das eher holprige Bindeglied zwischen den Kampfschauplätzen keine treibende Motiviation, um sich von Mission zu Mission zu hangeln.

 

Das einzig wirklich erkennbare Alleinstellungsmerkmal von Dark Sector ist der/die/das sogenannte Glaive: Eine Art überdimensionierter Wurfstern, welchen der Protagonist am Arm kleben hat. Unser Held ist nämlich auch so ein bisschen infiziert, während andere daran aber sterben, hat er ein Wurfgeschoss am Unterarm entwickelt, das stets an seinen Platz zurückkehrt. Das ist recht praktisch, denn damit kann man Gegner ordentlich filettieren, sich ein paar Waffen besorgen oder die schnitte Scheibe mit diversen Effekten aufladen: Strom, Eis, Feuer. Das braucht wird zum Lösen der eher simplen Rätsel benötigt oder um eine paar Gegner dem entsprechenden Element auszusetzen.

 

Mehr noch: Man kann das Gerät auch zielsicher ins Ziel steuern – drückt man nach dem Abwurf erneut R2, so kann das scharfe Geschoss über die Neigung des Sixaxis-Controllers gesteuert werden. Das funktioniert allerdings eher mittelmäßig und dient vor allem nur einem Zweck: Man darf zusehen, wie die klingenbewährte Frisbee durch allerlei Gliedmaßen und Fleisch schneidet. Zunächst sieht das noch spektakulär aus, auf die Dauer wird der Effekt jedoch etwas eintönig. Das gilt auch für die übertrieben lang gezogenen Todesschreie eliminierter Gegner. Fast schon hat man das Gefühl, Dark Sector soll besonders sadistischen Spielern Vergnügen bereiten – hier wäre weniger mehr gewesen.

 

Der Rest ist irgendwie recht bekannt: Deckung suchen, aus dieser heraus auf Gegner schießen, Granaten werfen. Duck’n’cover, immer wieder. Die Angreifer sind nicht gerade mit Intelligenz gesegnet, die Bosskämpfe etwas eintönig aber fordernd. Herumliegende Waffen können zwar genutzt werden, halten aber nur für eine kurze Zeit, denn aufgrund der Virusinfektion des Progatonisten zerstören sich diese nach ein paar Sekunden selbst. Warum auch immer. Dafür darf der Spieler aber sein eigenes Waffenrepertoire aufbauen und upgraden, auch hier hat wieder Resident Evil 4 Pate gestanden: Ein Händler verkauft Waffen und Upgrades. Leider ist das Geld besorgen eher eine zufällige Sache, denn erledigte Feinde hinterlassen meist keine Kohle beim Ableben, man findet die Knete nur an bestimmten Stellen im Spiel.

 

Dark Sector wirkt stellenweise sehr zusammengestückelt: Die Vorbilder sind klar erkennbar, doch hat man nicht aus dem bereits Bekannten etwas genuin Neues gebraut wie bei Uncharted: Drakes Schicksal. Vielmehr wurde eine Melange kreiert, die lediglich um eine neue Zutat ergänzt wurde. Dennoch hat Dark Sector durchaus Unterhaltungswert, was besonders an der stimmigen Grafik liegt, die durch ihr monochromes Spiel mit Lichteffekten und Schatten überzeugt. Leider fehlt es Dark Sector an einer überzeugenden Geschichte und auch der Mehrspielermodus hat eher Alibifunktion: Nur einer der Mitspieler darf den zackigen Diskus führen, die anderen Spieler sind einfache Fußsoldaten. Das wird schnell langweilig und kann kaum für lange Online-Nächte sorgen.
MK
 
 
Conclusion
Der/die/das Glaive hat also zwei Seiten. Auf der einen ist Dark Sector ein sauber programmiertes Spiel mit einer guten Idee, auf der anderen ist diese Idee das einzige, was das Game von den Platzhirschen im Action-Genre unterscheidet. Das ist für einen wirklichen Klassiker sehr wenig und so wird Dark Sector zwar Spieler für eine kurze Zeit beschäftigten, jedoch auf Dauer schnell wieder aus der PlayStation 3 verschwinden. Zudem wirken die blutigen Effekte etwas aufgesetzt und dürften nur Horror-Freaks wirklich unterhalten, Gelegenheitsspieler könnte der hohe Gewaltanteil eher abschrecken. Wer sich daran nicht stört, kann sich ruhig im Flugobjektweitwurf üben. Martin Kreischer
Infobox
Developer Digital Extremes Number of Players 1-10
Publisher Koch Media Recommended Age 18+
Genre Action http://www.darksector.com/