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Gran Turismo 5Prologue
02.04.2008
Prolog: der; -[e]s, -e [griech.] (Einleitung; Vorwort, -spiel, -rede; Radsport Rennen zum Auftakt einer Etappenfahrt. Der eben zitierte Eintrag aus dem Duden trifft es fast perfekt: Gran Turismo 5 Prologue ist eine Art Vorwort, eine Art Auftaktrennen oder, sofern ihr es so nennen möchtet, eine Art Vorspiel. So ein Prolog hat allerdings seinen Preis: 40 Euro für lediglich sieben Strecken und knapp über 70 Fahrzeuge.
Neu ist die Idee von Gran Turismo 5 Prologue nicht: Bereits zum direkten Vorgänger veröffentlichte Sony eine spielbare Demo-Version, die sich trotz heftiger Kritik der Presse (magerer Inhalt, viel zu überteuert) wie geschnitten Brot verkaufte. Ähnlich verhält es sich nun auch mit der kaufbaren „Probierversion“ von Teil 5. Bereits im Vorfeld verkündete der japanische Konzern, dass man mehr als eine Million Vorbestellungen verzeichnen konnte – keine schlechte Zahl für eine Demo, pardon, Probierversion.
So viel sei schon mal gesagt: Ein Kauf für Fans der Reihe lohnt sich auf jeden Fall! Gran Turismo 5 Prologue schafft es, dem Spieler die Kinnlade in drei Akten gen Boden fallen zu lassen. Akt 1: Das Intro. Das herrliche Filmchen stimmt einen sofort auf die bevorstehende Rennaction ein. Fast könnte man meinen, Entwickler Polyphony Digital hat eine Hommage an alle Motorsport-Verrückten kreiert, so schön ist das Intro ausgefallen. Vermissen tut man lediglich richtige Rennmonster, wie etwa die Le Mans Prototypen oder die dicken Brummer aus den GT-Klassen. Glücklicherweise muss man in GT5 Prologue keine Lizenzen mehr erwerben, um an den Karriererennen teilnehmen zu dürfen. Stattdessen fangt ihr in der C-Klasse an und erkämpft euch mit Podestplätzen die Teilnahme in den höheren Klassen. Ist eine der drei Klassen, welche jeweils aus zehn Rennen bestehen, erfolgreich beendet worden, dürft ihr euch an den ranghöheren Events probieren. Die Beherrschung der eigenen Vehikel lernt man so spielerisch - immerhin wird mit kleinen Autos wie dem VW Lupo angefangen, bis es zu schnelleren Karossen wie etwa den Nissan GT-R, den Ford GT und – Achtung, aufgepasst! – den Ferrari F40 geht. Um die Fahrt zu erleichtern, lassen sich jederzeit Fahrhilfen in Form von Traktionskontrolle oder ABS hinzuschalten. Da die Traktionskontrolle stufenlos reguliert werden kann, kann man sich als Spieler immer weiter an sein eigenes Limit herantasten. Wer das ausgezeichnete Fahrverhalten noch realistischer haben möchte, aktiviert einfach den Profi-Modus. Ein Lenkrad ist in diesem Modus allerdings Pflicht.
Akt 2: die Grafik. Gran Turismo 5 Prologue setzt neue Maßstäbe für Rennspiele auf den Konsolen. Sowohl Fahrzeuge als auch Umgebung könnten fast schon als fotorealistisch durchgehen, wenn da nicht das fehlende Anti-Aliasing oder das stellenweise auftretende Flimmern oder Tearing wäre. Trotzdem: Wer sich eine Wiederholung anschaut, kann an manchen Stellen schon fast nicht mehr von der Realität unterscheiden. Zu den drei üblichen Perspektiven (Verfolger-, Stoßstangen- sowie Motorhaubenansicht) gesellt sich in Teil 5 nun endlich auch eine Cockpit-Perspektive hinzu. Auch hier hat sich Polyphony Digital nicht bitten lassen und modellierte die Fahrzeuge hervorragend aus. Wer beispielsweise einen BMW M3 sein Eigen nennt, erkennt im Spiel jedes Detail am Armaturenbrett wieder. Vom herrlichen Geschwindigkeitsgefühl geht auch in der Cockpitansicht nichts verloren; der Überblick leidet ebenfalls nicht. Es ist einfach eine wahre Freude, so um die Kurse zu brettern und seinen Fahrer dabei zu beobachten, wie er am Lenkrad kurbelt und zum Gangwechseln auch jeweils zur Gangschaltung greift. Je nach Perspektive ändert sich zudem die Motorenlautstärke. Purer Realismus: Wer außerhalb des nützlichen Windschattens fährt, hört laut den Wind um seine Ohren pfeifen. Befindet ihr euch dagegen im Sog des Vordermanns, erlischt der Wind. Solche „Windschattenspielchen“ sind vor allem auf langen Geraden oder im Oval von Daytona immens wichtig. Grafischer Höhepunkt stellt allerdings die fiktive Strecke in London dar. Was hier an HDR-Effekten geboten wird, ist wirklich überwältigend. Probleme mit der Weitsicht hat die Engine ebenfalls nicht, wie die Rennen an der Eiger Nordwand beweisen.
Neben den üblichen Rennen, bietet das Spiel auch so genannte Fahr-Missionen. Pro Klasse müsst ihr jeweils zwei solcher Missionen absolvieren. Als besonders spannend entpuppt sich dabei die Mission „One Lap Magic“. In solch einem Event startet ihr von der letzten, sprich der 16. Position und müsst innerhalb von nur einer Runde euch an die Spitze des Feldes kämpfen. Was in den unteren Klassen noch relativ einfach ist, wird in der S-Klasse, die sich nach Beenden der A-Klasse freischaltet, zu einer wahren Herausforderung. Wer in dieser Klasse nämlich rempelt oder versucht abzukürzen, wird vom Spiel mit einer Zeitstrafe bestraft, die je nach Vergehen unterschiedlich lang ausfällt. Mit der S-Klasse schaltet sich auch das Quick-Tuning frei. Damit lassen sich fast alle Fahrzeuge vor dem Rennen nochmals ein wenig aufmotzen. Da die S-Klasse mit Leistungspunkten arbeitet, und euer Fahrzeug eine bestimmte Leistungspunktegrenze nicht überschreiten darf, lässt sich mit dem Quick-Tuning hervorragend herumexperimentieren. Tüftler können so immer mal wieder ein paar Zehntel aus dem Fahrzeug holen – ein toller Vorgeschmack auf das eigentliche Spiel. Apropos Rempeln: Anders als etwa Forza Motorsport 2 auf der Xbox 360 besitzt Gran Turismo 5 Prologue noch immer kein Schadensmodell. Das ist sehr bedauernswert, vor allem da das Spiel einen ansonsten recht hohen Realitätsanspruch hat. Hoffen wir, dass sich in diesem Punkt noch etwas bis zur Vollversion (Release 2009) tut. Verbessert hat man dagegen die Gegner-KI. Eure Kontrahenten fahren nun nicht mehr wie an einer Perlenschnur aufgereiht, sondern setzen auch mal zum überholen an oder machen sogar Fehler. Ausritte in Gras und Kies kommen allerdings deutlich zu oft vor. Lustigerweise setzen die Gegner stellenweise immer im selben Moment zum überholen an beziehungsweise machen immer zum selben Moment den Fehler, egal wie oft ihr das Rennen wiederholt. Hier wünschen wir uns für die Vollversion noch mehr Vielfalt, damit die Rennen lebendiger werden.
Wer alle Rennen abgeschlossen hat, darf zum dritten Mal seine Kinnlade herunterfallen lassen. Akt 3 ist nämlich nichts anderes als der Ferrari F1 2007 von Weltmeister Kimi Räikkönen und seinem Teamkollegen Felipe Massa. Um dieses Prachtexemplar sein Eigen nennen zu dürfen, bedarf es allerdings 2 Millionen Credits – ständiges Wiederholen bereits absolvierter Events ist somit Pflicht. Das exzellente Fahrverhalten des Monoposto entschädigt allerdings für den hohen Aufwand. Leider lässt sich weder im Arcade- noch im Time Trial- oder Drift-Modus Geld für die Karriere erspielen. Dafür allerdings im brandneuen Online-Modus, der leider auf den ersten Blick mehr verspricht als er hält. Die Fakten sind grandios: Bis zu 16 Spieler dürfen sich auf den sieben Kursen von GT5 Prologue tummeln. Nun aber die schlechte Nachricht: Eigene Lobbys, Voice-Chat oder private Sessions mit Freunden sind (noch) nicht möglich. Sony und Polyphony Digital haben zwar einen Patch zur Verbesserung des Online-Modus angekündigt, wann der erscheinen soll steht aber noch in den Sternen. Immerhin laufen die Rennen komplett lagfrei und mit Strafsystem ab. Sonntagsfahrer und Pistensäue werden somit sofort vom Spiel bestraft. Wer Gran Turismo 5 Prologue nicht im Laden kaufen möchte, kann sich die leicht günstigere Download-Variante aus dem PlayStation Store herunterladen. In dieser Version fehlen allerdings die Videos von GT TV, die nach und nach auf der Blu-Ray-Disc freigeschaltet und zugänglich gemacht werden. Wer die Filmchen, unter anderem Folgen der Serie Top Gear, trotzdem sehen möchte, kann sie sich kostenlos herunterladen.
JS
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