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Ninja Gaiden 2

09.06.2008
“Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird.“ Selten war dieser Spruch so passend für ein Spiel. Wer in Ninja Gaiden 2 unüberlegt zu Werke geht, wird den Game Over-Screen in seine Netzhaut gebrannt bekommen. Dabei ist das Spiel deutlich eingängiger als sein Vorgänger – doch Tecmo wusste, wie sie den Spieler bis an seine Grenzen treiben können.

 

Ein Blick ins Ninja-Kino offenbart so manches Geheimnis: Der fiese Endgegner, der an anscheinend an keiner Stelle verwundbar ist, verliert nach der ausführlichen Analyse einen Teil seines Schreckens. Doch wem haben wir diese Geste zu verdanken? Einem amerikanischen Journalisten-Kollegen, der seine Ninja-Künste über Xbox Live zur Schau stellte. Klar, er wollte zeigen, was er nicht für ein Gamepad-Virtuose ist. Doch mit solchen selbst aufgezeichneten Filmchen lassen sich nicht nur Highscores vergleichen, sondern auch Tipps und Hinweise an andere, verzweifelte Spieler weiterleiten. Auch mir half das, denn ich konnten Ninja Gaiden 2 beenden, ohne drei weitere Gamepads aus dem Fenster zu werfen.

 


Bis auf diese neue Online-Komponene hat sich am zweiten Next-Gen-Auftritt von Ryu Hayabusa nicht sonderlich viel getan. Das muss allerdings nichts Schlechtes bedeuten, denn schon Ninja Gaiden (Xbox) sowie Ninja Gaiden Sigma (PS3-Remake der Xbox-Version) boten ein ausgetüfteltes aber auch hartes Spielerlebnis, das nicht nur mich oft ins Schwitzen brachte. Dabei ist Ninja Gaiden 2 nicht unfair, aber trotzdem bockschwer. Das mag vor allem an den Feinden des agilen Ninjas liegen. Diese greifen zu fünft oder in noch größeren Gruppen an. Anders als in Hollywood-Filmen warten eure Widersacher nicht brav, bis sie an der Reihe sind, sondern stürzen sich sofort auf euch. Um trotzdem Herr der Lage zu werden, kann Ryu Hayabusa auf ein umfangreiches Repertoire an Ninja-Moves, Attacken sowie Ninja-Magien zurückgreifen. Dank der intuitiven Steuerung funktioniert das auch richtig prächtig. Doch schon ein Fehler kann einen erheblichen Verlust der wertvollen Lebensenergie bedeuten. Um das Spiel ein wenig einsteigefreundlicher zu gestalten, hat Tecmo eine verdoppelte Energieleiste integriert. Wird Ryu von einem Gegner getroffen, verliert er zunächst nur blaue Lebensenergie, die sich nach erfolgreichem Abwehren einer Angriffswelle automatisch wieder auflädt – praktisch. Bei richtig harten Attacken verliert Ryu dagegen sofort etwas von seiner roten Lebensenergie. Diese regeneriert sich auch nicht von selbst, sondern muss an den zahlreichen Speicherstationen oder mit Hilfe von Medi-Packs oder blauen Orbs wieder aufgefrischt werden. Letztere gibt es übrigens für besonders eindrucksvolle Combos an den Gegnern. Ansonsten lassen diese auch noch gelbe sowie rote Orbs fallen, die als Währung im Shop oder als „Ninja-Mana“ dienen.

 

Der virtuelle Tod lauert in Ninja Gaiden 2 an jeder Ecke. Nur wer richtig blockt, immer in Bewegung bleibt und die Umgebung zu seinem Vorteil nutzt, hat eine Chance, gegen die normalen Gegner zu bestehen. Zudem müssen die Angriffsmuster der feindlichen Ninjas und Dämonen nahezu auswendig gelernt werden. „Lerne deinen Feind kennen“ ist somit ein weiteres Sprichwort, das in Ninja Gaiden 2 eine besondere Rolle spielt. Bei den abermals spektakulär inszenierten Bosskämpfen steigt der Schwierigkeitsgrad selbstverständlich nochmals um ein paar Stufen an. Wie bereits zu Beginn dieses Artikels erwähnt, sind die Schwachpunkte der Bosse nicht immer deutlich sichtbar, ab und an dienen sie sogar als Falle. In einem der hinteren Levels musste ich beispielsweise gegen einen riesigen Dämon antreten. Als Feind taugt er nicht viel, da er fast überall verletzbar ist. Bei seinem ableben explodiert der Bursche allerdings, was mir, sofern ich nicht einen speziellen Kniff kennen, ebenfalls das Leben kostet. Ein anderer Bossgegner ist dagegen blind, kann mich somit nicht sehen, dafür aber deutlich besser hören. Ryu muss versuchen sich um ihn herumzuschleichen, um ihn am Rücken zu treffen. Schleichen funktioniert bei den permanenten Angriffen des Gegners allerdings nicht. Unfair? Nicht ganz: Ninja Gaiden 2 ist zwar ein sehr schweres Spiel geworden, ist aber zu keiner Zeit unfair zum Spieler. Alles ist machbar, wenn man Angriffsmuster und Ryus Moves auswendig lernt.

 


Im Laufe seines Abenteuers trifft Ryu auf eine geheimnisvolle Dame, dessen Rolle ich nicht verraten will. Die Zwischensequenzen ertönen wahlweise in englischer oder japanischer Sprachausgabe und sind erneut furios in Szene gesetzt worden. Ryu Hayabusa spricht zwar nicht sonderlich viel, stellt seinen starken Charakter aber in fast jeder Zwischensequenz zur Schau. Den frechen Bad-Ass-Charme eines Dante (Devil May Cry) erlangt der Ninja aber nicht. Muss er auch nicht, denn spielerisch ist sein Spiel deutlich anspruchsvoller geworden, selbst auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad, der diesen Namen eigentlich nicht verdient. Zusätzlich zu Ryus Katana und seinen Ninja-Magien, gesellen sich immer weitere Schnetzel-Werkezeuge hinzu – und diese verdienen solch eine Bezeichnung. Ninja Gaiden 2 ist brutal, so brutal, dass selbst ein herkömmlicher Splatter-Movie wie ein Kindergeburtstag wirkt. Ryu schneidet fast schon chirurgisch genau seinen Feinen Köpfe, Arme oder Beine ab. Am Ende eines Kampfes ist der Schauplatz mit Blut übersät, die Arme liegen im näheren Umkreis verteilt, die zerfetzten Überreste zucken noch innerlich. Trotz, oder gerade weil Ninja Gaiden 2 so überdreht dargestellt wird, wirkt die Brutalität zu keiner Zeit störend oder ekelig, wenn aber auch ein wenig übertrieben. In Kinderhände gehört Ryus Abenteuer auf jeden Fall nicht. Sagt auch die USK, und verweigerte Ryu den Eintritt in die deutschen Spieleregale.

 

So spaßig und frustrierend Ninja Gaiden 2 auch ist, umso enttäuschender ist die technische Seite. Das Spiel sieht dem Remake des ersten Teils, Ninja Gaiden Sigma, zum verwechseln ähnlich. Das ist zwar meckern auf hohen Niveau, doch hier und da sind Sachen zu entdecken, die einfach nicht mehr zeitgemäß sind. Die Animationen der Charaktere sind es nicht, die sind nach wie vor butterweich. Viel mehr ist es das fehlende Anti-Aliasing, das ab und an auftretende Tearing, die vor allem in den späteren Levels auftretenden leichten Framerate-Probleme und die stellenweise fehlenden Spiegelungen in Wasserpfützen. Dass die Engine an ihre Grenze getrieben wurde merkt man vor allem an den immer mal wieder auftretenden Ladepausen in den Levels – nervig. Über all dem steht der gut gelungene Soundtrack. Unverständlich ist dafür die noch immer nervtötende Kamera. Tecmo gelang es erneut nicht, das Spielgeschehen ins rechte Licht zu rücken. Viele von Ryus Angriffen gehen ins Leere, da ihr nicht immer sofort seht, wo ihr eigentlich hinschlagt. Auch lassen sich Gegner nicht immer sofort um Ecken erkennen. Wer nicht aufpasst, rennt nahezu ins offene Messer seiner Widersacher. Immerhin lässt sich die Kamera manuell mit dem rechten Stick justieren – eine schwache, aber immerhin leichte Verbesserung.
JS
 
 
Conclusion
Ninja Gaiden 2 ist ein fulminantes Action-Spiel geworden. Klasse inszeniert, bockschwer und doch zu keiner Zeit unfair. Trotzdem bleibt ein leichtes Stirnrunzeln übrig. Die Verbesserungen zum Vorgänger sind marginal, wenn auch vorhanden. Vor allem die verbesserte Energieleiste und das Ninja-Kino sind hier zu erwähnen. Das alles entschädigt aber nicht über die abermals nicht funktionierende Kamera. Wer Ninja Gaiden 2 durchspielen will, braucht ein starkes Durchhaltevermögen – der Game Over-Screen erscheint öfters als gewünscht. Wen das nicht stört, bekommt einiges an Action-Futter geboten. Es sprach: Der Ninja-Metzger.
Infobox
Developer Tecmo Number of Players 1
Publisher Microsoft Recommended Age 18+
Genre <#genre_action> http://ninjagaidengame.com/ninjaGaiden/